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Endlich! Gestrickte Fraktale

Nachdem jeder 2. Freitag aktuell der Strickmaschine gehört, kann ich euch mein heutiges Tageswerk zeigen:

Beim 1. Versuch habe ich möglichst klare Einzelmuster stricken wollen (Julia-Menge bzw. Koch’sche Schneeflocke).

Fraktale1.png

Die Muster erkennt man zwar schön, allerdings sieht man auch die Fehler klar und deutlich und auch, dass die Technik nur bedingt für diese Art Muster geeignet ist. Im rechten bzw. linken Teil seht ihr jeweils den weissen Faden durchscheinen, der dann am Rand auch eine Schlaufe bildet. Die Farbe wird halt nur in der Mitte benötigt, muss aber irgendwie zur Seite wieder raus. Vermutlich wäre es schlauer gewesen, eine Seite weissgrundig zu machen.

Ausserdem wellt sich der Rand, weil ohne Muster 1re, 1li gestrickt wird, beim Muster aber glatt rechts. Fallmaschen hat es auch. Aber immerhin hat es im Prinzip funktioniert – und zwar mit Motor!

Hier noch ein paar Detailaufnahmen für die technisch Interessierten:

Technische_Details.jpg

Das Prinzip ist bei allen E-Maschinen von Passap-Maschinen gleich:

Die Position der Stösser gibt vor, ob eine Masche gestrickt wird oder nicht. Bei meiner Maschine erfolgt die Auswahl der Stösser über den Controller. Wenn der Schlitten drüber fährt, schaut ein optischer Sensor, welcher Stösser bewegt werden muss, die Bewegung erfolgt magnetisch.

Beim 2. Versuch wollte ich dann etwas in der gleichen Technik stricken, aber etwas kleingemusterter. Zum Ausprobieren habe ich einmal etwas verschwommeneres genommen und einmal klare Strukturen. Das „fluffige“ kommt nicht so gut raus. Meine 2 Farben haben halt auch nicht so viel Kontrast.

Wieder links Entwurf, rechts Vorder- bzw. Rückseite:

Fraktale2.png

Was man sehr schön erkennt: Die Art Muster passt sehr gut zu der Technik.

Man kann wie beim Handstricken auch verschiedene Techniken wählen. Ich könnte auch beide Seiten glatt rechts als Schlauch ohne Verbindung stricken.

Für 900 Reihen habe ich ca. eine Dreiviertelstunde gebraucht.

Die Maschen sind höher als breit. D.h. ich muss später dann auch noch eine Verzerrung einkalkulieren, damit das Muster so wird, wie ich mir das vorstelle ;)

Erste Strickerfolge

Vielleicht wundert sich jemand von euch, warum ich gar nichts von meiner tollen Strickmaschine schreibe. Wahrscheinlich haben die meisten von euch aber schon ganz vergessen, dass es die gibt oder es gar nicht mitbekommen.

Nach der ersten Euphorie kam recht schnell die Ernüchterung, weil es natürlich nicht mit Aufstellen, Einschalten, Stricken getan war. Am Anfang konnte ich die Muster nicht richtig laden – die blöden Stösser haben sich einfach nicht so bewegt wie sie sollten. (Die Stösser schieben die Nadeln in Strick- oder Ruheposition, sind also vereinfacht gesagt für das Muster verantwortlich). Das Problem lies sich durch einen SW-Update bzw. längere Stromzufuhr lösen.

Danach hatte ich ein Problem mit dem Farbwechsler. Bei den Probieraktionen hab ich dann auch noch 2 vermutlich schon brüchige Teile demoliert. Zum Glück konnte ich Ersatzteile organisieren. Dann kam die Fassadenstreichaktion und ich musste eine Pause einlegen. Das Austauschen der Plastikteile ist lt. Google-Group „a pain in the ass“, was ich bestätigen kann. Nach nur 1.5 Tagen Frickelei waren alle Federn wieder da, wo sie sein sollten (glaub ich) und der Farbwechsler funktioniert mechanisch viel besser als zuvor. Elektronisch tut er aber immer noch nicht. Das ignoriere ich im Moment (gehe ich später an).

Letzten Freitag war Strickmaschinen-Tag und ich hatte zumindest schon mal eine funktionierende optomechanische Steuerung der Stösser / Nadeln und mechanische Steuerung des Farbwechslers. Aus Sicherheitsgründen und zum besseren Verstehen wollte ich also Muster mit Schieben der Schlitten stricken. Die Steuerung der Nadeln ging problemlos, aber ich hatte viele Fallmaschen und Fehler, siehe hier:

Aber immerhin: das Prinzip ging schon mal. Sonntag hab ich dass am Vormittag nochmals eine Übungseinheit eingelegt und systematisch Nadeln getauscht, Farben getauscht, Wolle gewechselt, Fadenspannungen justiert, Warenabzug variiert, Wendepositionen ausprobiert, Maschenweiten überprüft und schlussendlich herausgefunden, wie die Einstellungen sein müssen, um Prozesssicherheit zu bekommen.

Ergebnis sind ein paar fehlerfreie Rapporte. Die Rückseite hat das gleiche Muster, könnte aber auch jedes andere haben. Hab ich nur zum Ausprobieren so gemacht. Die Pferde sind je 100 M vorne und hinten, ca. 17 cm breit. Garn Kaschmir, einfädig. Insgesamt kann ich je 388 M vorne und hinten stricken und natürlich auch etwas gröber. Das ist jetzt eher so die Feinheitsgrenze nach unten.

Muster vom Rechner zu laden, habe ich schon ausprobiert. Das geht und wird mein nächster Schritt: ein einfaches Fraktal soll es werden ;)

Und irgendwann (in ein paar Jahren) will ich die Maschine so umbauen, dass ich einen kleinen Kopf statt der Schlitten habe und 3D stricken kann…. 

Ich war den ganzen Sonntag am Grinsen, weil ich mich so sehr gefreut habe.

Darf ich vorstellen…

… meine Traummaschine (die Strickmaschine quer im Vordergrund):

Samstag morgen bin ich allein mit dem Transporter ca. 200km bis zu meinem Bruder gefahren. Er ist die restlichen 60km mitgefahren und hat tatkräftig beim Abbauen und Einladen geholfen. Dann ging es den gleichen Weg wieder retour. Abends noch ausgeladen (Till hat gnädigerweise geholfen), Transporter 30km mit Tankstop zur Abgabestelle gefahren und dann heim. 🥵

Heute Abend hab ich sie montiert und alles angeschlossen. Freitag versuch ich mal mein Glück und bin gespannt, wie die Lernkurve verläuft…

Ich bin ganz glücklich 😍 und sooooo froh, dass ich mich von Tills Genörgel nicht abhalten lassen hab.