Wenn ich muss, mag ich nicht

Kennt ihr das von euch auch?

In dem Moment, wo etwas zur Pflicht wird, blockiert irgendwas in mir. Dabei ist es egal, ob die Pflicht von mir auferlegt ist oder von aussen kommt.

Das gilt explizit NICHT für meinen Job oder meine Dozententätigkeit. Damit kann ich problemlos umgehen. Da habe ich meine Aufgaben und Punkte zum Abhaken. Das geht tadellos. Da mache ich sogar eher zu viel als zu wenig.

Aber Sachen, die ich für meine Firma / privat machen müsste / sollte oder eh nicht sooo gern mach, die sind anfällig für dieses Blockadeverhalten.

Aufräumen z.B. – das kann ich wochenlang vor mir herschieben. Da hilft auch die Visualisierung, wie toll das nachher aussieht, nix. Ich kauf dann eher ein neues Schubladenmöbel, das ich ganz toll finde – und lass das dann leer rum stehen. Der Wille war da und der Plan war auch gut – aber nu ja – es steht dann mehr rum als vorher. Wenn Till mich dann noch anmeckert, ist es ganz vorbei. Er will immer, dass ich am liebsten ALLES wegwerf und das WILL ich nicht. Bloss weil er keine Hobbies hat und es nicht versteht, muss ich nicht meine guten Sachen wegballern. Wenn ich dann aufräum, ist es ihm nie genug – dann bekomm ich grad die nächste Baustelle aufs Butterbrot geschmiert. Dabei sind das meine Zimmer – das geht ihn eigentlich gar nix an. Das sag ich ihm auch – aber mich stressen diese Vorwürfe trotzdem.

Stoffe in den Shop einpflegen z.B. – so lange es um technische Probleme geht, wie neues Shopsystem einrichten, Mailserver zum Laufen bringen etc., brauch ich keine Motivation von aussen. In dem Moment, wo es stupide Tätigkeit wird, mit Bilder zurecht schneiden, Farben anpassen, Stoffqualität zuordnen, hochladen, verlässt mich die Begeisterung. Langer Rede, kurzer Sinn – 10 Stoffe am Tag schaffe ich nicht. Auch weil 10 Stoffe ca. 2.5 Stunden dauern. Es ist einfach die Masse, die mich da erschlägt. Ich habe jetzt aber ein einfaches Laptop bestellt, mit dem ich abends auf dem Sofa, stupide Bildbearbeitungen machen kann.

Schnittmustersoftware z.B. – da bin ich jetzt an den Figurinen dran. Aber dort sterbe ich gerade den Perfektionisten-Tod und verhedder mich in Gedanken-Widersprüchen und verschiebe das auf später. Ausserdem denke ich dann immer, dass ich doch Stoffe einpflegen müsste, um mal die Baustelle endlich zu schliessen.

Aus dem Nichts überfallen mich dann wieder neue Ideen, die ich so gerne ausprobieren würde, so dass die Projektliste eher länger als kürzer wird. Einerseits bewundere ich ja Leute, die nur ein einziges Thema konzentriert verfolgen und damit erfolgreich sind. Andererseits wäre mir das für mich einfach zu langweilig.

Vielleicht müsste ich einfach Freitag / Samstag zum festen Arbeitstag für Shop / Schnittmuster-Software erklären, an denen ich konzentriert nur daran arbeite. Eine Woche das eine, die Woche drauf das andere. Und Sonntag wär dann der freie Tag für Hobbies, Aufräumen und Co. Hm. Wär einen Versuch wert.

Mein Kernproblem bleibt: zu wenig Zeit für zu viele Projekte und Ideen. Vielleicht sollte ich einfach mal wieder Nachtschichten einführen 😉

Veröffentlicht am 20. März 2021, in Alltag. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. Nachtschichten sind keine Option, denn Schlaf brauchst auch du.
    Du kannst doch organisieren und priorisieren. Und bei deinen Projekten schaffst du doch auch.

    • Irgendwie werde ich halt das Gefühl, zu faul / zu langsam / zu ineffizient nicht los. Ich finde, ich müsste einfach mehr schaffen können.

      • Setze dir doch selbst ein paar gut messbare KPIs. Absatz/Umsatz/Ertrag zum Beispiel. Das ist der Grund, warum man eine Firma ins Leben ruft.

        • Das ist ja genau das Problem:
          So lange ich den Webshop fülle und er noch nicht genug Auswahl bietet, kann ich ihn nicht bewergen und bringt er wenig Umsatz.
          So lange die Software nicht so weit ist, dass sie Schnittmuster ausspuckt (die passen!), kann ich sie nicht verfügbar machen.
          Genau deshalb ziehe ich jetzt den Webshop ja vor, damit Kohle rein kommt. Nur habe ich vermutlich an die 1’000 Artikel… das geht nicht so schnell, wie ich es gern hätte.

  2. Und wieso nicht für die ganz stupiden Arbeiten einen 450 Euro Job vergeben? (keine Ahnung wie das in der Schweiz ist, aber in D sind die gerade gesucht ohne Ende und man bekommt zum Teil wirklich gute Leute)

  3. Soooo, so absolut nachvollziehbar für mich. Und so bekannt.

    Und dann noch immer wieder die neuen Ideen – irgendwann hat man einen Haufen Ideen, einen Haufen irgendwas Anmgefangenes. Und produziert noch mehr Ideen.

    Ja, die Tage sind eindeutig zu kurz.

  4. mir geht es genauso, ich werde dann bockig…Ich möchte überzeugt werden und selber die Wahl haben….meistens weiß ich selber was notwendig ist 😇😅..lasse mir ungern etwas sagen. und Du hast einfach zuviel Ideen für ein einzelnes Leben 🙃 …das wird schwer das richtige Maß zu finden zwischen muss und möchte 👌

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