Archiv für den Monat März 2020

Vorbildlich

Nach exakt 2 Wochen habe ich mich heute ins Dorf gewagt, um einzukaufen.

Es lief äusserst diszipliniert ab: Direkt am Eingang wird man gebeten, die Hände zu desinfizieren, nimmt sich danach eine Nummer und geht in den Laden. Alle halten grosszügigen Abstand und sind dennoch freundlich.

Überrascht war ich über die vielen Angebote und, dass auch die Kartoffeln 50% günstiger waren. Scheinbar sind viele schon vom Kochen (und Kartoffelschälen) ernüchtert und werfen lieber Nudeln ins Wasser ;). Ich hab mich grosszügig eingedeckt – Kartoffeln sind mit mein wichtigstes Lebensmittel.

Ausser Vollkornmehl (von dem ich noch genug daheim hab) gab es alles. Auch Klopapier und Seife. Brauchte ich aber beides jetzt noch nicht.

An der Kasse sind die Kassierinnen jetzt durch eine Plexiglasscheibe und Handschuhe geschützt. Auf dem Boden sind Felder für jeden aufgemalt, damit man mit genügend Abstand wartet.

Der Einkauf reicht jetzt locker wieder für 2 Wochen.

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Heute hat meine Mama Geburtstag – zum 1. Mal seit Jahrzehnten bin ich dann nicht bei ihr :(. Abgesehen davon, dass ich gar nicht über die Grenze dürfte, will ich ihr natürlich auch nix anschleppen. Etwas traurig finde ich das trotzdem. Aber sie hat sich ihren Lieblingskuchen mit viel Eierlikör gebacken. Sie hatte den letzthin schon zum „Grundnahrungsmittel“ erklärt .. ;). Da bin ich froh, dass sie es sich gut gehen lässt!

Sie wird heuer so alt wie mein Geburtsjahr – das Ganze wiederholt sich im Herbst an meinem Geburtstag. Dann können wir uns hoffentlich wieder in echt sehen und nicht nur in Skype.

Familienskype

Corona hat nicht nur Nachteile.

Zum 1. Mal haben wir es geschafft, dass Mama mit meinem älteren Bruder zusammen in Skype zu meinem jüngeren Bruder (mit Frau und 8-jähriger Tochter) gekommen ist.

Wir waren also zu 6. an 3 Orten (Bayern, Schwaben, Schweiz). Nach kleineren Startschwierigkeiten hat das gut geklappt :). Wird nächste Woche wiederholt. Dann sieht man sich zumindest virtuell, solange die Grenzen zu sind.

Wir waren gestern im Garten – anschliessend hab ich ca. 5 kg Brokkoli blanchiert bzw. zu Suppe gekocht und noch Zimtschnecken gebacken.

Zimtschnecken

Heute der obligatorische Spaziergang – direkt von daheim aus. Ca. 2 Stunden. Ich lass euch ein paar Eindrücke da:

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Ab morgen ist wieder Home Office angesagt – heute hab ich nur etwas für meine Dozententätigkeit vorbereitet.

Notlage

In meinem Kanton wurde heute die Notlage erklärt. Konkret heisst das zusätzlich zur Schliessung der Schulen:

  • Öffentliche, private und religiöse Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind verboten.
  • Alle Läden, die nicht Waren zur Abdeckung des Grundbedarfs verkaufen, müssen geschlossen bleiben. Auch alle Unterhaltungsbetriebe wie Kinos und Museen müssen schliessen.
  • Unternehmen werden dringend angehalten, ihr Personal im Homeoffice arbeiten zu lassen.
  • Um das Gesundheitssystem des Kantons zu entlasten, werden zwei Testzentren eingerichtet.
  • Das Kantonsspital hat 3 Standorte. Positive Corona-Fälle werden, wenn nötig, ausschliesslich am Standort Bruderholz behandelt. Die beiden anderen Standorte (Laufen und Liestal) kümmern sich um die restliche Spitalversorgung der Bevölkerung. Gleichzeitig wird ein Aufnahmestopp für nicht unbedingt notwendige Eingriffe verhängt.
  • Für Personen, die im Gesundheitssektor arbeiten, wird ein Betreuungsangebot für ihre Kinder organisiert. Andere Personen müssen selber eine Lösung finden, sind aber angehalten, die Betreuung der Kinder nicht an gefährdete Personen zu delegieren, also Menschen ab 65 oder mit Vorerkrankungen der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems.

Für uns selber hat das ausser Home Office keine grösseren Auswirkungen, aber wir haben Freunde mit Ladengeschäften. Die trifft das natürlich enorm :(. Die Massnahme gilt (vorerst) bis Ende April und wird wohl auch in den anderen Kantonen noch kommen / verschärft werden.

Der 1. war ja auch schon …

d.h. ich schulde euch noch das aktuelle Kalenderbild, das schon sehr nach Frühling aussieht. Das Bild ist knapp 1 Jahr alt und aus Bergen.

Kalender_2020_03

Wollfest

Das Wollfest in Züri letztes Wochenende hatte dann ja doch stattgefunden und mir hat es sehr gut gefallen. Am Samstag hatte ich 2 Workshops: „Gestickte Schätze besticken“ von einer Norwegerin, von der ich beide Bücher habe. Mir gefällt so was Verspieltes ja gut. Statt eines Musterstücks hab ich grad ein Stirnband gestrickt. Rechts oben ohne Stickerei, links mit 4 verschiedenen Stichen verziert. Die Farben links treffen die Realität ganz gut:

Besticken

Beim 2. Workshop ging es um das Anpassen von Modellen an die eigene Körperform. Das war für mich jetzt nicht so neu, aber ich hab ein paar sehr interessante Gedankenansätze für meine Schnittmuster-Software erhalten. Sie hat das mehr nach Try-and-Error gemacht – das ist jetzt nicht so meine Welt. Aber ich kenn die Theorien dahinter und kann das übertragen.

Am 2. Tag hatte ich dann nette Begleitung. Leider waren unsere Workshops nicht wie ursprünglich geplant, beide nachmittags. Meiner war vormittags und beschäftigte sich mit Farb-Effekten beim Fair-Isle-Stricken. Das war SEHR spannend und auch anstrengend (wegen der schlechten Luft). Ich bin als Einzige mit dem Strickmuster fertig geworden, obwohl (oder vielleicht auch weil) ich die Fäden nicht je rechts und links halte, sondern da eine eigene Technik entwickelt hab.

Farbeneffekte

Man erkennt schon gut, welche Farben ich gern mag … 😉

Nachmittags hab ich dann noch die Ausstellung ausgiebig besucht (es waren 3 grosse Räume) und etwas Beute gemacht. 2 verschiedene Garne, die ich an der Strickmaschine ausprobieren möchte.

AusstellungAusstellung2Beute

Nächstes Jahr geh ich bestimmt wieder hin 🙂

Verkehrte Welten

Irgendwie sind das seltsame Zeiten.

Die so besonnenen Schweizer reagieren doch sehr restriktiv auf die Corona-Fälle:

  • untersagen alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen,
  • lassen Fasnacht ausfallen,
  • setzen alle Ligaspiele aus,
  • kommunizieren offen, dass sich eine Epidemie nicht vermeiden lassen wird,
  • richten schon mal Notplätze in Spitälern ein und
  • sagen voraus, dass es für das medizinische Personal sehr anstrengend werden wird.

Sie bitten um Vermeidung von Risiken (ÖV zu Stosszeiten, Besuchen in Altersheimen, PartyPartyParty).

 

Die sonst so zur Hysterie neigenden Deutschen

  • warnen vor Hysterie (WTF?),
  • halten sich in den Spitälern nicht an die Empfehlungen vom RKI,
  • lassen unbesorgt Bundesligaspiele laufen,
  • veranstalten Ärztekongresse,
  • geben keine nationalen Richtlinien zu Veranstaltungen raus,
  • machen munter Schulausflüge in Risikogegenden,
  • öffnen die Schulen, nachdem Tausende in Italien (!) in Ferien waren
  • reden von „milder Grippe“.

Meiner Meinung nach sind die Fallzahlen in Deutschland nur so niedrig, weil sie wohl nur im äussersten Notfall testen.

Ich muss gestehen, dass ich mir angesichts der Fallzahlen in Italien (v.a. den rapide steigenden Todesfällen unter alten Menschen) grosse Sorgen um meine Mutter mache. Sie gehört klar zu den Risikopersonen mit 71 Jahren, zahlreichen Vorerkrankungen und chronischen Krankheiten. Leider muss sie regelmässig zu Ärzten und Physiotherapeuten, wo so ein Virus sich ja munter verbreiten kann.

Ich kann nur hoffen, mein Gefühl, dass es Deutschland ganz bös erwischen wird, täuscht mich.