Mein Norwegischkurs

Der Anlass für meine Reise nach Hamburg war mein Norwegischkurs. Zwei Mal 3 Stunden Einzelunterricht sollten es sein und ich war davor schon etwas nervös, weil ich in den Wochen vorher kaum zum Lernen gekommen war und das Gefühl hatte, gar nichts zu können.

Weil ich Distanzen in Städten schwierig abschätzen kann (und schon schweizerisch infiziert bin), war ich viel zu früh dran. Eine geschlagene halbe Stunde. Sie meinte, sie wäre gerade erst zur Tür rein und noch nicht so weit. Ich hab ihr dann angeboten, dass ich auch noch spazieren gehen kann bei dem schönen Wetter – sie meinte dann, ich könnte mich doch auch raus auf die Terrasse setzen.

Wir sind dann sofort über den Garten ins Gespräch gekommen und sie meinte, wir könnten auch zusammen Unkraut jäten, sie redet norwegisch und erklärt mir ein paar Sachen und würde die halbe Stunde auch nicht verrechnen. Gesagt, getan – nach einer halben Stunde stand ihre Haustür noch immer offen, weil sie das vor lauter Begeisterung ganz vergessen hatte. Wir waren ca. 1.5 Stunden im Garten beschäftigt und ich weiss jetzt viel über Pflanzen / Beeren / Schnecken (!!) auf norwegisch.

Danach gab es Kafi und Kuchen, etwas Grammatik, Ausspracheregeln, Zahlen, Lesen. Sie hat mir noch ganz viele Zeitschriften auf norwegisch geschenkt – weil die super zum Üben sind. Kochrezepte sind da auch drin und Strickanleitungen :). Ich konnte auch einige Sachen sogar schon auf norwegisch erzählen / erklären. Sie fand es total lustig, dass ich immer erst überlegt habe und dann den Satz mit möglichst richtiger Grammatik raus geschwitzt habe. Die meisten plappern wohl drauf los – aber das hatte ich ihr vorher schon gesagt, dass ich das nicht kann.

Am nächsten Tag haben wir früher als geplant angefangen, weil ich a) früher gehen wollte, um sicher den Zug zu erreichen und wir b) noch Kräuter im Baumarkt kaufen wollten. Auch dort hat sie mir alles mögliche auf norwegisch erzählt / erklärt und sogar der Kassiererin noch 3 norwegische Wörter beigebracht. Wieder retour bei ihr, haben wir Kräuter gepflanzt, vorne noch gejätet, Kafi getrunken und hauptsächlich Zeitformen geübt. Die Zeit war so schnell um – sie hat mich noch zum Bus gebracht, mich fest gedrückt und zum Busfahrer gesagt „passen sie gut auf sie auf!“

Wir haben einen sehr guten Draht zueinander – das passiert mir nicht so oft. Hier scheint mir die Wahl der Lehrerin ein echter Glücksgriff zu sein. Ich werde mir zum Geburtstag von allen Skype-Stunden bei ihr wünschen – dann kann ich weiter üben und dran bleiben.

Eine Sprachreise werde ich mit ihr (und anderen) sicher machen – ist nur noch die Frage, wann und wohin. Aber das muss ich jetzt noch nicht entscheiden.

Veröffentlicht am 13. September 2019, in Freude, Norwegen, Sprachkurs. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Klasse, das klingt ja richtig toll… wenn man sich gut versteht lernt es sich gleich viel leichter 😉

    • Definitiv. Zumal ich ein „schlechter“ Sprachenlerner bin. Oder sagen wir so: ich lerne anders als der Durchschnitt. Ich muss eine Sprache erst verstehen, die Ausspracheregeln kennen und die Grammatik halbwegs beherrschen, bevor ich anfange zu reden. Ich rede ungern Unsinn.

      Und sie ist wirklich so herrlich unkompliziert und nett. Das ist ja auch genau das, was ich an den Norwegern so gern mag – ihr Naturell.

  2. Wie schön! So wünscht man sich einen Unterricht: die Sprache wird direkt sinnvoll in der Praxis angewendet, mit Themen, die Dich interessieren und zu denen Du einen Bezug hast – und als Bonus verstehst Du Dich auch noch persönlich gut mit Deiner Lehrerin. Volltreffer!

    • Das hast Du perfekt formuliert 🙂

      Und ich glaube, sie mag mich auch gerne. Zumindest hat sie sich selbst auch noch für einen besonders schönen Kurs bei mir bedankt. Es hat ehrlich getönt 🙂

      Sie hat noch bedauert, dass ich so weit weg wohne und wir uns so selten sehen würden. Aber Unterricht per Skype / Telefon ist ja auch eine sehr gute Alternative.

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