Gastfreundschaft

Mich beschäftigt etwas und mich interessiert, wie ihr das seht.

Ich halte mich für recht gastfreundlich, koche und backe auch gern für Gäste ihr Lieblingsessen und erwarte dafür keinen besonderen Dank oder Gegenleistung.

Wir hatten von Samstag morgen bis Dienstag morgen Besuch von Tills Nichte (28-jährig) und ihrem Freund (jenseits der 30). Beide arbeiten und verdienen Geld. Sie hatten ihre Rennvelos dabei und er wollte immer Gewalttouren (100km oder viele Höhenmeter) machen. Sie ordnet sich ihm total unter und macht alles mit (aber das ist ein anderes Thema).

Damit wir sie morgens überhaupt zu Gesicht bekommen, mussten wir sonntags (!) um 7 aufstehen. Ich bin kein Langschläfer – aber am Wochenende steh ich schon erst gegen halb 9 auf. Abends kam dann schon eine SMS mit der Zeit, wann sie eintrudeln und „Hungaaaaaaaa“. So gegen 8, halb 9 waren sie dann auch meist da. Dann noch gegessen, er hat uns noch unser Bier weg gesoffen und um halb 10 / 10 sind sie total erschöpft ins Bett gefallen. Gespräche, gemeinsame Zeit quasi Fehlanzeige.

Zum Dank: eine WhatsApp: „Schön war’s bei euch“

Ich fühle mich etwas ausgenutzt. Wir sind doch kein Hotel mit Vollpension.

Übernächste Woche kommt Tills Schwester – die hat wenigstens Freude dran, Zeit mit uns zu verbringen und DER mach ich dann auch das selbstgemachte Joghurteis, das ihre Tochter nicht bekommen hat. Hatte ich ihr zwar versprochen – aber da wusste ich ja noch nicht, dass das so abläuft.

Seh ich das zu eng?

Veröffentlicht am 20. Juli 2019, in Familie, Frust. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 38 Kommentare.

  1. Heftig.
    Also dass sie sich ihm so unterordnet wird vermutlich irgendwann zu einer Trennung führen. Meine Erfahrung damit. Oder die Frau geht irgendwann dran kaputt. Auch eine Erfahrung aus meinem Bekanntenkreis. Ist nicht gut, wenn man seine Persönlichkeit derart aufgibt. Ehe/Gemeinschaft ist halt immer ein Kompromiss.

    Aber zum Hauptthema: ja, vermutlich haben die dich als Basis(station) genutzt und gesehen. Finde ich auch etwas unangemessen. Nun ist die Frage, wie geht man damit um?

    Eine Möglichkeit: nicht wieder einladen (wird sich aber vermutlich wegen Verwandtheitsgrad nicht vermeiden lassen). Andere Möglichkeit: ansprechen, vielleicht erfragen, wie sie den Urlaub gesehen haben. Aber vermutlich nicht zielführend.

    Dritte Möglichkeit: spiegeln. Sich bei ihnen einladen, den ganzen Tag durch die Stadt laufen (Kultur mit Theater und Museen etc.genießen) und dann abends bei ihnen essen und schlafen. Natürlich dann, wenn sie Urlaub/Ferien haben. Und dann auch mit einer What’s-App-Nachricht verlassen. Vielleicht fällt es ihnen ja auf.

    Ansonsten vor dem nächsten Besuch mit ein, zwei Bemerkungen ansprechen, dass ihr nicht Pensionswirte seid, sondern auch mit euren Gästen Spaß haben wollt, euch unterhalten wollt und gerne Zeit verbringen wollt. Vielleicht hilft es.

    • Till meinte, er will das bei Gelegenheit ansprechen. Und: dass sie dieses Jahr nicht mehr kommen brauchen.

      Es ist seine Nichte, es ist sein Haus – ich halt mich da raus. Aber ich werde wohl schon was zur Mutter sagen, die ihn übrigens ähnliche Sorgen mit ihm hat.

      (sie hatte sich schon mal getrennt von ihm und ist dummerweise wieder zurück)

      Montag + Dienstag sind wir normal arbeiten gegangen. Wenn die 2 Tage davor nicht so frustrierend gewesen wären, wär ich erst später los und hätte vielleicht noch was gebacken.

  2. Was sie ein wenig schützt, ist der Nichtenstatus. Sie haben sich so benommen wie bei Muttern zuhause. Allerdings sollte man in dem Alter schon ein wenig gesellschaftliche Konventionen achten. Auch hätte es nicht geschadet, Dir mal einen Blumenstrauß mitzubringen.

  3. Du siehst es nicht zu eng.
    Nächstes Mal geht ihr essen und er bezahlt. Schließlich schlafen sie für lau bei euch.

    Generation Nimm.
    Das wird noch lustig.

  4. Ich kann gut verstehen, dass Du Dich ausgenutzt fühlst. Sie haben sich bei euch verwöhnen lassen – „Mama“ wird es schon richten und die macht es ja anscheinend gern. Da hilft wohl wirklich nur ein Gespräch, wenn so gar kein Gespür vorhanden zu scheint, dass man als Besucher auch seine Pflichten hat.

    • Pflicht würd ich das nicht nennen.

      Für mich hat das einfach was von Durchschnorren. Man macht gratis Urlaub auf Kosten anderer. Das will ich so nicht unterstützen. Zum einen verdienen sie selber Geld, zum anderen ist es bei uns momentan finanziell auch nicht so rosig (ein Kunde zahlt seine 5-stellige Rechnung seit Monaten nicht, viel Unterhaltkosten am Haus)

      Und: ich bin nicht ihre Mama. Ich bin nicht mal verwandt mit ihnen. Ausnutzen kommt bei mir ganz schlecht an.

  5. Arrogant und Ignorant und ich-bezogen. Und ohne Gefühl für den anderen.
    Würde mich auch stören. SMS mit Dankeschön. So ein quark. Da kann man auch mal anrufen oder wenigstens eine längere Nachricht/email schreiben. Es muss nicht jeder gleich die Füße küssen aber wenn man schon zu Besuch ist, dann geht es doch auch um die gemeinsame zeit. Warum sie ihn dann nicht einfach allein zum Fahrrad fahren schickt und einfach bei euch die Zeit verbringt, verstehe ich dann nicht. Naja.

    Aus der Erfahrung heraus kann ein Gespräch mit beiden zugleich schief gehen. Da er das „Problem“ ist und sie das alles so eigentlich gar nicht will, würde ich, wenn überhaupt, mit ihr sprechen.
    Ich glaube, eine neue Übernachtungsmöglichkeit würde ich nicht zur Verfügung stellen. Ich würde dann eher anbieten, eine „Etappe“ mit Verpflegungsstation (=Kaffee und Kuchen/Obst) und nettem Pausenschwatz zu sein aber wohnen, nein danke. Das geht auch im Hotel.

    • Schön, mal wieder von Dir zu lesen 🙂

      Jo – ich seh das genauso wie Du. In nächster Zeit wird das erst mal keinen Besuch mehr geben. Warum, kann ihr Onkel ihnen dann verklickern.

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