Rationelles Zuschneiden

.. ist gar nicht so einfach.

Ich hatte mit einem kleinen Lasercutter geliebäugelt. Von der Idee habe ich inzwischen Abstand genommen. Erstens ist das Teil mit 40 cm/min viel zu langsam bei einer relativ kleinen Schnittfläche (40x50cm). Da bin ich nur mit Stoff wechseln alle 15 Minuten beschäftigt. Zweitens verbrennen die Kanten bei Naturfasern und verschmelzen sie bei synthetischen Fasern – das kratzt auf der Haut und müssten wir alles nachschneiden. Drittens haben die Hersteller scheinbar keine Erfahrung mit Stoffen und viertens ist es mit 2000 Euro zu teuer für mal einfach so.

Das Modell hat einen Kurzwellenlaser – es gibt auch noch CO2-Laser. Die sind schneller, haben aber bezüglich der Kanten ähnliche Probleme. Ausserdem braucht es dazu dann auch eine Absaugung und Kühlung, was die Geräte dann NOCH teurer macht. Das macht mit meinen aktuellen Stückzahlen keinen Sinn.

Mein kleiner Messercutter zerrupft die Stoffe ja gern – aber mit Hilfe einer aufklebbaren Folie habe ich jetzt ein quasi unelastisches Sandwich, mit dem ich gerade die feinen Futterstoffe besser schneiden kann. Das muss also aktuell für die Probemodelle weiter herhalten.

Die dann ausgeschnittene Folie will ich dann auf die feineren Aussenstoffe kleben und dort entlang mit meinem neuen Ultraschall-Messer schneiden. Das habe ich jetzt in Japan bestellt und per PayPal bezahlt. Mit Lieferkosten, Zoll und MwSt. überschreitet das auch die 500 CHF-Grenze. Allerdings meinte Sylvia (meine Doktormutter), dass sie damit gute Erfahrungen gemacht hätten – gerade auch für elastische Stoffe.

Mal schauen, wie das funktioniert – ich bin sehr gespannt, ob ich damit auch mehrlagig schneiden kann und wie exakt das arbeitet. Beim Rollschneider (den verwenden wir ansonsten für manuelles Zuschneiden) braucht man doch viel Kraft und kann nur bedingt mehrlagig schneiden.

Später (in ca. 2 Jahren) hätte ich schon gern ein CNC-Maschinchen – welcher Kopf (Messer, Ultraschall, Laser) kann ich dann auf Basis der jetzigen Erfahrungen entscheiden. Dazu müssen aber nach den Probemodellen erst mal die Stückzahlen hoch gehen.

Veröffentlicht am 25. Juni 2017, in Nähen, Textiles. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. wow – klingt kompliziert und wie eine eigene Wissenschaft

    • Jo – das ist es.

      Die Nische zwischen Einzelfertigung und Massenproduktion ist nicht so einfach, wenn man effizient zu vernünftigen Preisen produzieren und noch was verdienen will …

  2. Da braucht es allerhand Know-how und Erfahrung, um befriedigende Ergebnisse zu bekommen. Du hast mit deinem Forschergeist schon eine Menge herausgefunden!

  3. Wasserstrahlschneiden fällt wohl auch weg, zu Nass, zu laut, zu teuer.

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